
Der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) in Deutschland steht nach aktuellen Prognosen eine erhebliche finanzielle Herausforderung bevor. Analysen zeigen, dass den Krankenkassen bis zum Jahr 2027 eine Finanzierungslücke von bis zu 12 Milliarden Euro drohen könnte. Ursache ist ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen wachsenden Ausgaben und vergleichsweise langsam steigenden Einnahmen.
Prognosen zur Finanzlage der GKV
Laut einer aktuellen Projektion des IGES-Instituts im Auftrag der DAK-Gesundheit könnte die gesetzliche Krankenversicherung im Jahr 2027 einen Fehlbetrag von rund 11,8 Milliarden Euro aufweisen. Grundlage der Berechnung sind unter anderem die erwartete Entwicklung der Beitragseinnahmen, der Bundeszuschüsse sowie der Ausgabenstruktur der Krankenkassen.
Auch das Deutsche Ärzteblatt berichtet über diese Analyse und weist darauf hin, dass ohne strukturelle Anpassungen ein dauerhaftes Defizit in der GKV entstehen könnte.
Warum Einnahmen und Ausgaben auseinander laufen
Die Einnahmen der gesetzlichen Krankenkassen basieren überwiegend auf einkommensabhängigen Beiträgen von Versicherten und Arbeitgebern. Diese wachsen in erster Linie mit der Lohnentwicklung. Die Ausgaben hingegen steigen deutlich schneller. Gründe dafür sind unter anderem:
Zusätzlich verweist das IGES-Institut auf den Wegfall befristeter Bundesdarlehen sowie das Auslaufen temporärer Sparmaßnahmen, die in den vergangenen Jahren zur Stabilisierung der GKV beigetragen haben.
Beitragssätze könnten weiter steigen
Die Analyse geht davon aus, dass der durchschnittliche Beitragssatz zur gesetzlichen Krankenversicherung bis 2027 auf etwa 18,3 Prozent ansteigen könnte. Das entspräche einem Plus von rund 0,6 Prozentpunkten gegenüber dem heutigen Niveau. DAK-Vorstandschef Andreas Storm spricht in diesem Zusammenhang von einer strukturellen Finanzierungslücke und warnt vor steigenden Belastungen für Versicherte und Arbeitgeber, sollten keine Gegenmaßnahmen ergriffen werden.
Politische Diskussionen zur GKV-Finanzierung
Die angespannte Finanzlage der gesetzlichen Krankenversicherung ist auch Gegenstand politischer Beratungen. So befasst sich derzeit die Finanzkommission Gesundheit mit möglichen Reformansätzen zur langfristigen Stabilisierung der GKV.
Kein kurzfristiges Phänomen
Bereits in den vergangenen Jahren geriet die GKV zunehmend unter Druck. Für das Jahr 2024 meldeten die Krankenkassen ein Defizit in Milliardenhöhe, das bei vielen Kassen zu steigenden Zusatzbeiträgen führte. Die aktuellen Prognosen deuten darauf hin, dass es sich nicht um ein kurzfristiges Problem handelt, sondern um eine Entwicklung mit längerfristiger Perspektive.
Ein Teil des Ausgabenanstiegs zeigt sich auch im Heilmittelbereich. Bereits heute erreichen die Heilmittelausgaben ein Rekordhoch, wie aktuelle Auswertungen zeigen.
Was bedeutet das für Therapeuten?
Auch wenn sich die Prognosen auf die Gesamtfinanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung beziehen, sind sie für Therapeuten relevant. Die Heilmittelversorgung ist Teil der GKV und damit direkt an deren finanzielle Stabilität gekoppelt.
Steigende Ausgaben bei gleichzeitig begrenzten Einnahmen erhöhen den Druck auf das System insgesamt. In der Vergangenheit führten finanzielle Engpässe der Krankenkassen unter anderem zu politischen Diskussionen über Vergütung, Budgetierungen und strukturelle Reformen. Wie sich die aktuelle Entwicklung konkret auf Heilmittel, Vergütungsmodelle oder zukünftige Rahmenbedingungen auswirken wird, ist derzeit offen.
Fest steht: Die Finanzlage der GKV bleibt ein zentrales Thema für alle Leistungserbringer im Gesundheitssystem – und damit auch für therapeutische Praxen.

