Dashboard mit Auswertungen in einer Therapiepraxis – Symbol für Steuerung und wirtschaftliche Herausforderungen im Heilmittelsystem 2025 und 2026

Was zeigt der Heilmittelbericht 2025 – und warum ist das für 2026 entscheidend?

Der Heilmittelbericht 2025 wirkt auf den ersten Blick wie ein Rückblick. Tatsächlich ist er eher eine Vorschau auf 2026. Denn die zentralen Entwicklungen, die der Bericht beschreibt, sind keine einmaligen Effekte – sie sind strukturell. Und genau deshalb prägen sie auch das aktuelle Jahr.

Die Kernaussage: Das Heilmittelsystem ist deutlich teurer geworden, ohne dass sich die Versorgung im gleichen Maß verbessert hat.

  • Die Ausgaben steigen stark.
  • Die Zahl der behandelten Patienten kaum.
  • Der Alltag in den Praxen bleibt eng.

Oder anders gesagt: Mehr Geld ist im System – aber es löst die eigentlichen Probleme nicht.

Für Praxisinhaber bedeutet das auch 2026: volle Terminkalender, hoher organisatorischer Aufwand, Personalmangel.
Für Patienten: höhere Beiträge, höhere Zuzahlungen und trotzdem lange Wartezeiten.

Der Heilmittelbericht 2025 macht damit etwas sehr deutlich: Das, was wir 2024 gesehen haben, ist kein Ausreißer – es ist der neue Normalzustand.

Kernpunkte auf einen Blick — Heilmittelmarkt 2024/2025

Die Heilmittelausgaben gehören zu den dynamischsten Leistungsbereichen der gesetzlichen Krankenversicherung. Ihr Anteil an den gesamten GKV-Ausgaben ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen und erreichte 2024 einen neuen Höchststand.
Frauen nehmen Heilmittelleistungen signifikant häufiger in Anspruch als Männer. Pro 1.000 Versicherte werden deutlich mehr Frauen als Männer behandelt. Dieser Unterschied zeigt sich in nahezu allen Altersgruppen.
Die Anzahl der abrechnenden Heilmittelpraxen ist nur moderat gestiegen, während Behandlungen und Umsätze deutlich stärker zugenommen haben. Das bedeutet: Mehr Leistung verteilt sich auf nur leicht mehr Praxen.
Ein großer Teil der Heilmittelverordnungen wird durch Hausärzte und Allgemeinmediziner ausgelöst. Heilmittelversorgung ist damit fest in der Regelversorgung verankert und kein Randphänomen einzelner Fachrichtungen.
Rückenschmerzen stehen klar an der Spitze der physiotherapeutischen Diagnosen. Es folgen nichtinfektiöse Erkrankungen der Lymphgefäße sowie Zustände nach chirurgischen Eingriffen.
Krankengymnastik (KG) ist mit deutlichem Abstand die häufigste physiotherapeutische Maßnahme. Danach folgen Manuelle Therapie (MT) und Manuelle Lymphdrainage (MLD). Diese drei Leistungen machen den Großteil der Verordnungen und Umsätze aus.
Die Nutzung von Heilmitteln steigt mit dem Alter stark an. Während Logopädie vor allem bei Kindern dominiert, konzentrieren sich Physiotherapie und Podologie zunehmend auf ältere und hochbetagte Patienten.
Ziel der bundesweiten Vergütungsangleichung war es, die Attraktivität der Heilmittelberufe zu erhöhen. Laut Beschäftigungsstatistik stiegen die Löhne in den Heilmittelberufen zwischen 2018 und 2024 jedoch nur um rund 35 %, während die Heilmittelausgaben im gleichen Zeitraum deutlich stärker wuchsen. Berufsverbände kritisieren, dass reale Kostenentwicklungen in den Praxen dabei nicht ausreichend berücksichtigt werden.

Woher kommt das viele Geld im Heilmittelsystem – und warum wird es 2026 nicht weniger?

Wenn über steigende Heilmittelkosten gesprochen wird, entsteht schnell der Eindruck, es werde „zu viel therapiert“. Der Heilmittelbericht 2025 zeigt jedoch ein anderes Bild. Die Ausgaben steigen nicht, weil plötzlich deutlich mehr Menschen versorgt werden, sondern weil jede einzelne Leistung teurer geworden ist. Hauptursache dafür ist die bundesweite Preisangleichung der Heilmittelvergütungen. Sie hat regionale Unterschiede beseitigt und das System dauerhaft verteuert. Das war politisch gewollt und fachlich richtig – verändert aber die Kostenstruktur grundlegend.

Hinzu kommt: Der Aufwand pro Patient steigt. Therapien dauern länger, Verläufe sind komplexer, Koordination und Dokumentation nehmen zu. All das erhöht die Kosten, ohne dass die Versorgung in der Fläche wächst.

Wer diese Entwicklung bezahlt, ist klar – auch wenn sie selten so benannt wird. Patienten tragen sie über höhere Beiträge und Zuzahlungen. Krankenkassen stemmen steigende Ausgaben. Praxen erzielen zwar höhere Erlöse pro Leistung, gewinnen dadurch aber kaum Luft im Alltag, weil Personal-, Sach- und Organisationskosten parallel steigen.

Für 2026 bedeutet das: Diese Entwicklung wird nicht verschwinden. Die Preisangleichung wirkt weiter, die Bevölkerung wird älter, der Fachkräftemangel bleibt. Das System wird nicht günstiger, sondern komplexer.

Zahlen steigen – aber warum fühlt sich die Versorgung trotzdem nicht besser an?

Der Heilmittelbericht 2025 erklärt ein Gefühl, das viele Praxen seit Jahren begleitet: Mehr Leistung bedeutet nicht automatisch mehr Entlastung. Der Grund liegt in der Art des Wachstums. Es kommen kaum neue Patienten hinzu. Stattdessen werden bestehende Patienten intensiver behandelt. Das klingt medizinisch sinnvoll, ist organisatorisch aber anspruchsvoll.

Mehr Behandlungen pro Patient bedeuten längere Therapiezeiträume, engere Terminfolgen und einen deutlich höheren Koordinationsaufwand. Besonders ältere Patienten benötigen oft kombinierte Leistungen, Hausbesuche und eine engere Abstimmung. Diese Fälle lassen sich nicht „effizienter“ abarbeiten, sondern binden Zeit und Personal.

Gleichzeitig wachsen die Kapazitäten nicht mit. Behandlungszeit ist endlich, Personal bleibt knapp, neue Therapeuten kommen nicht schnell genug nach. Das führt zu vollen Wartelisten, eingeschränkter Terminverfügbarkeit und Frust auf beiden Seiten. Das System wird dichter – nicht großzügiger.

Die wichtigsten Zahlen aus dem Heilmittelbericht 2025 (Datenbasis 2024)

  • 4,79 Milliarden Euro Heilmittelausgaben für AOK-Versicherte
  • +9,3 % Kostenanstieg gegenüber dem Vorjahr
  • Rund 14 Millionen Heilmittelverordnungen
  • Etwa 119 Millionen Behandlungseinheiten
  • Kaum mehr Patienten (+0,5 %), aber
  • mehr Behandlungen pro Patient (+2–3 %)
  • Physiotherapie: ca. 80 % der Verordnungen, rund 67 % der Kosten

Einordnung:
Die Kosten steigen deutlich schneller als die tatsächliche Versorgung. Der Haupttreiber sind höhere Preise – nicht mehr Patienten oder ein sprunghafter Mehrbedarf.

Was passiert mit dem Geld in den Praxen? Ein Blick auf die einzelnen Berufsgruppen

Steigende Heilmittelausgaben kommen in den Praxen an – aber sehr unterschiedlich. Der Heilmittelbericht 2025 zeigt klar: Wirtschaftliche Realität, Belastung und Spielräume hängen stark von der jeweiligen Profession ab.

Physiotherapie: viel Masse, wenig Spielraum

Die Physiotherapie bleibt das Rückgrat des Heilmittelsystems. Der Großteil aller Heilmittelverordnungen entfällt auf diesen Bereich. Entsprechend hoch ist der Versorgungsdruck. Der Alltag ist geprägt von hohem Durchlauf, enger Taktung und steigenden Anforderungen an Organisation und Dokumentation. Gerade weil wenige Diagnosen und Maßnahmen den Praxisalltag dominieren, entscheidet sich Wirtschaftlichkeit weniger an Vielfalt als an sauberer Planung. Mehr Vergütung pro Leistung hilft – schafft aber kaum zusätzliche Luft, solange Zeit und Kapazitäten begrenzt bleiben.

Ergotherapie: Gewinner der Reform – mit neuen Pflichten

Die Ergotherapie gehört zu den größten Profiteuren der Vergütungsentwicklung. Mit der Einführung der Blankoverordnung ist zudem mehr fachliche Freiheit hinzugekommen. Gleichzeitig steigen Verantwortung, Planungsbedarf und wirtschaftliche Anforderungen. Die Effekte der Blankoverordnung hängen weniger vom Instrument selbst ab als davon, wie transparent Zeit, Frequenz und Verlauf gesteuert werden. Wer hier keinen Überblick hat, verliert trotz höherer Vergütung schnell an Wirtschaftlichkeit.

Die Ergotherapie zeigt damit besonders deutlich, worum es 2026 geht: nicht um mehr Geld, sondern um bessere Steuerung.

Logopädie: hohe Verantwortung, wenig Flexibilität

Die Logopädie ist durch eine stabile, hohe Nachfrage geprägt – insbesondere im pädiatrischen Bereich. Gleichzeitig sind Inhalte, Frequenzen und Zeitvorgaben oft eng definiert. Das führt zu einem strukturell begrenzten Handlungsspielraum. Wachstum entsteht hier kaum über Menge, sondern vor allem über Kontinuität, Planung und stabile Abläufe. Die wirtschaftliche Situation ist vergleichsweise konstant, bietet aber wenig Spielraum für Entlastung im Alltag. Gerade deshalb ist Organisation in der Logopädie kein Nebenthema, sondern Voraussetzung für Stabilität.

Podologie: Wachstum ja, Marge nein

Die Podologie verzeichnet stark steigende Verordnungszahlen, vor allem durch chronische Erkrankungen und den demografischen Wandel. Gleichzeitig bleibt der Erlös pro Patient vergleichsweise niedrig. Die starke Konzentration auf wenige, meist chronische Diagnosen führt dazu, dass steigende Nachfrage nicht automatisch zu mehr wirtschaftlichem Spielraum führt. Ohne saubere Termin- und Kapazitätssteuerung wird Wachstum schnell zur Belastung.

Die Podologie zeigt exemplarisch, dass steigender Bedarf allein kein Erfolgsmodell ist – Struktur entscheidet.

Gemeinsamer Nenner aller Fachbereiche

So unterschiedlich die Ausgangslagen auch sind, eine Erkenntnis verbindet alle Bereiche: Das Geld kommt an – aber es bleibt nicht übrig. Es fließt in Komplexität, Koordination und Verantwortung. Genau deshalb entscheidet sich wirtschaftliche Stabilität 2026 nicht an der Vergütung, sondern daran, wie gut Praxen Zeit, Leistung und Ressourcen steuern.

Und was ist eigentlich mit den Krankenkassen?

Auch für Krankenkassen wird das Heilmittelsystem zunehmend herausfordernd. Die Ausgaben steigen deutlich, während die Steuerungsmöglichkeiten begrenzt bleiben. Therapien sind individuell, medizinisch begründet und politisch sensibel. Pauschale Eingriffe greifen hier kaum.

Als Reaktion wächst häufig die Bürokratie: mehr Prüfungen, mehr Vorgaben, mehr Dokumentation. Diese Maßnahmen schaffen Transparenz, aber kaum Entlastung. Für Praxen bedeutet das zusätzlichen Aufwand, für Patienten meist unsichtbare Verzögerungen.

Die Blankoverordnung verdeutlicht diesen Zielkonflikt besonders gut. Sie ermöglicht individuellere Therapie, reduziert aber die direkte Kontrolle über Umfang und Kosten. Für Krankenkassen ist sie Hoffnung und Risiko zugleich.

Kein Geldproblem, sondern ein Steuerungsproblem – was der Heilmittelbericht 2025 wirklich zeigt

Der Heilmittelbericht 2025 führt zu einer klaren Schlussfolgerung: Das Heilmittelsystem scheitert nicht an fehlenden Mitteln, sondern an fehlender Steuerbarkeit. Noch nie war so viel Geld im System. Und dennoch bleibt die erhoffte Entlastung aus. Mehr Vergütung allein löst nichts, wenn sie im Alltag versickert – in steigender Komplexität, wachsendem Organisationsaufwand und begrenzten Kapazitäten. Entlastung entsteht dort, wo Planung, Steuerung und Transparenz greifen – unabhängig von der jeweiligen Profession.

Besonders deutlich wird das beim Thema Personal. Die bundesweite Angleichung der Vergütungen sollte die Heilmittelberufe attraktiver machen und neue Mitarbeiter gewinnen. In der Praxis ist dieses Ziel nur teilweise erreicht worden. Zwar sind die Umsätze der Praxen deutlich gestiegen, die Löhne in den Heilmittelberufen haben sich jedoch wesentlich langsamer entwickelt. Die erhoffte Sogwirkung für neue Fachkräfte blieb aus, der Personalmangel besteht weiter.

Damit wird ein zentrales Problem sichtbar: Das zusätzliche Geld kommt nicht dort an, wo es langfristig Entlastung schaffen würde. Für 2026 bedeutet das: Nicht der Preis entscheidet über wirtschaftliche Stabilität, sondern der Umgang mit Zeit, Leistung und Ressourcen. Oder anders gesagt: Wer nicht weiß, wo Zeit, Leistung und Erlös verloren gehen, merkt nur eines – dass es trotz steigender Einnahmen nicht reicht.