
Die Blankoverordnung ist eines der wenigen Instrumente im Gesundheitssystem, das Therapeuten wirklich stärkt. Sie gibt Verantwortung zurück in die Praxis – dorthin, wo therapeutische Entscheidungen hingehören. Nicht als theoretisches Ideal, sondern ganz konkret im Alltag.
Statt Behandlungen abzuarbeiten, können Therapeuten Therapie planen und am Verlauf der Beschwerden ausrichten. Das ist kein Mehraufwand, sondern ein Perspektivwechsel – und der sorgt am Ende für bessere Therapie und mehr Zufriedenheit auf beiden Seiten.
Warum die Blankoverordnung eigentlich etwas sehr Gutes ist
Viele Diskussionen rund um die Blankoverordnung drehen sich um Dokumentation, Ampelsystem oder Abrechnung. Dabei gerät leicht aus dem Blick, worum es im Kern geht: Therapeuten dürfen wieder Therapeuten sein.
Die Blankoverordnung macht sichtbar, was gute Physiotherapie schon immer ausgemacht hat:
Das System verlangt keine zusätzliche Bürokratie. Es verlangt lediglich, dass therapeutische Entscheidungen bewusst getroffen und nachvollziehbar gemacht werden. Genau das ist professionelle Versorgung.
Der wichtigste Schritt: Therapieplanung statt Abarbeiten
Mit der klassischen Heilmittelverordnung war Therapieplanung oft implizit. Man wusste, was zu tun ist – und tat es. Mit der Blankoverordnung wird diese Planung explizit. Das ist kein Rückschritt, sondern eine Aufwertung.
Ein guter Therapieplan im Rahmen der Blankoverordnung ist kein starres Dokument, keine akademische Ausarbeitung und kein Versprechen auf einen festen Verlauf. Er ist eine Orientierung:
Ein klarer Therapieplan spart Zeit. Er verhindert planlose Sitzungen, unnötige Wiederholungen und das Gefühl, jede Einheit neu erfinden zu müssen. Vor allem sorgt er dafür, dass die Energie dort bleibt, wo sie hingehört: bei der Therapie.
Praxisorientierung: Was gehört in einen Therapieplan?
Ein Therapieplan im Rahmen der Blankoverordnung sollte folgende Punkte abdecken:
Nicht erforderlich sind detaillierte Stundenpläne oder feste Maßnahmenabfolgen.
Praxisregeln der Blankoverordnung: Was du im Alltag wirklich wissen musst
Die Blankoverordnung gibt dir Spielraum – aber sie hat ein paar klare Spielregeln. Wenn du die kennst, arbeitest du entspannter, dokumentierst zielgerichteter und vermeidest unnötige Rückfragen oder formale Stolperfallen.
Therapie im Verlauf steuern – statt im Voraus festlegen
Gerade bei Schulterbeschwerden ist der Therapieverlauf selten linear. Die Blankoverordnung trägt dem Rechnung. Sie erlaubt Anpassungen, ohne dass jedes Mal eine neue Verordnung notwendig wird.
Das bedeutet:
Der Therapieplan ist dabei kein starres Korsett, sondern ein lebendiges Steuerungsinstrument. Er gibt Richtung vor, ohne Flexibilität zu nehmen – und schafft Orientierung für Therapeut und Patient gleichermaßen.
Diagnostik & Entscheidungslogik: PD und BD sinnvoll einsetzen
Die Blankoverordnung lebt von bewussten therapeutischen Entscheidungen. Grundlage dafür sind zwei diagnostische Bausteine: die physiotherapeutische Diagnostik (PD) zu Beginn und – bei Bedarf – die Bedarfsdiagnostik (BD) im Verlauf.
Beide verfolgen ein klares Ziel: Therapie fachlich steuern, nicht einfach fortschreiben.
Dokumentation als Werkzeug – nicht als Selbstzweck
Ein häufiger Irrtum ist, dass gute Dokumentation viel Text braucht. In der Praxis ist oft das Gegenteil der Fall. Gute Dokumentation beantwortet nicht, was gemacht wurde, sondern warum.
Entscheidend ist:
Wenn Dokumentation Entscheidungen erklärt, wird sie kürzer, präziser und hilfreicher. Sie dient dann nicht der Absicherung, sondern der therapeutischen Klarheit.
Verlaufsdokumentation & Rückseite der Blankoverordnung richtig ausfüllen
Die Blankoverordnung verlagert Verantwortung in die Praxis. Entsprechend wichtig ist eine saubere Verlaufsdokumentation – nicht als Selbstzweck, sondern als nachvollziehbare Grundlage für therapeutische Entscheidungen und Abrechnung.
Ein zentraler Punkt dabei ist die Rückseite der Blankoverordnung. Hier werden nicht Therapiepläne beschrieben, sondern die tatsächlich erbrachten Leistungen dokumentiert und bestätigt.
Das Ampelsystem richtig einordnen: Orientierung statt Einschränkung
Das Ampelsystem wird im Praxisalltag häufig als Kontrolle wahrgenommen. Tatsächlich ist es kein therapeutisches Verbot, sondern ein wirtschaftlicher Orientierungsrahmen, der den Gesamtverlauf im Blick behalten soll. Es geht dabei nicht darum, Therapie zu begrenzen oder Einheiten zu zählen.
Vielmehr unterstützt das Ampelsystem dabei:
Wer Therapie konsequent am Bedarf des Patienten ausrichtet, bewegt sich oft automatisch im grünen Bereich. Und wenn nicht, ist das kein Fehler, sondern häufig Ausdruck eines komplexen oder langwierigen Falls.
Entscheidend ist nicht die absolute Zahl der Einheiten, sondern die Nachvollziehbarkeit der therapeutischen Entscheidungen im Verlauf. Genau hier entfaltet das Ampelsystem seinen eigentlichen Zweck: als Orientierung, nicht als Einschränkung.
Typische Stolpersteine – und wie man sie im Praxisalltag vermeidet
Im Umgang mit der Blankoverordnung zeigen sich in vielen Praxen ähnliche Stolpersteine. Sie haben selten mit mangelnder Kompetenz zu tun – sondern mit Unsicherheit im neuen System.
Die Lösung liegt daher nicht in zusätzlichem Aufwand, sondern in klaren Entscheidungen, die sich kurz und verständlich begründen lassen. Wer weiß, warum er etwas tut, muss es nicht ausführlich rechtfertigen. Das entlastet – fachlich, organisatorisch und mental.
Vergütung & Zuzahlung bei der Blankoverordnung: das Wichtigste in Kürze
Die Blankoverordnung verändert nicht nur die therapeutische Verantwortung, sondern auch die Logik der Vergütung. Entscheidend ist dabei: Abgerechnet wird nicht „stückweise“, sondern versorgungsbezogen über den gesamten Verlauf.
Weiterführende Informationen
Du willst die Blankoverordnung in der Physiotherapie noch besser einordnen – mit Fokus auf Verantwortung, Spielräume und Praxisalltag?
➡ Zum Grundlagenartikel zur Blankoverordnung Physiotherapie
Du möchtest bei der Abrechnung der Blankoverordnung auf Nummer sicher gehen und typische Fehler vermeiden?
➡ Zum Artikel & Leitfaden: Blankoverordnung korrekt abrechnen
Wenn du Blankoverordnungen strukturiert planen, dokumentieren und abrechnen willst, kann digitale Unterstützung helfen. Eine gute Praxissoftware führt durch Prozesse wie Therapieplanung, Verlaufsdokumentation und Abrechnung – ohne Therapie vorzugeben.
➡ Mehr zur Praxissoftware für Physiotherapie von Henara

