Titelbild: KI-generiertes Bild

Stand: 28. September 2026. Dienstag, kurz vor Praxisbeginn: Die Feiertagsöffnungszeiten müssen noch auf die Website, für das Teamtreffen fehlt eine Agenda und der Text für einen neuen Kurs klingt ungefähr so einladend wie eine Wartungsanleitung. Für all das braucht es keine Zukunftsvision. Eine generative KI kann schon heute Entwürfe, Varianten und Strukturen liefern. Interessant wird sie dort, wo ein kleiner Arbeitsauftrag sonst zwischen zwei Terminen liegen bleibt.

Was kann KI in der Therapiepraxis heute sinnvoll übernehmen? Vorarbeiten mit allgemeinen oder erfundenen Angaben: Texte formulieren, öffentliche Informationen verständlich machen, Ideen sortieren, Checklisten entwerfen und Formeln erklären. Du prüfst das Ergebnis, bevor du es nutzt. Echte Patientendaten und therapeutische Entscheidungen gehören nicht in solche ersten Versuche mit einem beliebigen Chatbot.

1. Die Nachricht, die du zum dritten Mal schreibst

Geänderte Öffnungszeiten, ein neuer Kurs, eine Wegbeschreibung: Die Fakten stehen fest, nur der Text fehlt. Gib der KI die freigegebenen Eckdaten und lass dir drei Fassungen schreiben – eine für die Website, eine kurze für Social Media und eine für einen Aushang. Der Vorschlag ist schneller da als die nächste Kaffeepause. Ob er freundlich klingt und wirklich alle wichtigen Angaben enthält, entscheidest du.

Zum Ausprobieren: „Formuliere aus diesen allgemeinen Angaben eine klare Nachricht für unsere Praxiswebsite. Schreibe freundlich, ohne Werbeversprechen. Nenne Datum, Uhrzeit und Kontaktmöglichkeit. Markiere Informationen, die noch fehlen."

2. Aus Fachsprache wird ein verständlicher erster Entwurf

Ein öffentliches Merkblatt erklärt eine neue Regel auf vier Seiten. Für den Empfang wird daraus eine verständliche Antwort auf die häufigste Frage gebraucht. Eine KI kann den Text gliedern, Fachwörter erklären oder eine FAQ-Fassung vorschlagen. Das ist besonders nützlich, wenn der Ausgangstext bereits veröffentlicht und fachlich verlässlich ist. Zahlen, Fristen und Ausnahmen kontrollierst du anschließend im Original – bei Gesundheits- und Abrechnungsthemen zählt jedes Detail.

Zum Ausprobieren: „Fasse diesen öffentlich zugänglichen Text in fünf Fragen und Antworten für den Praxisaushang zusammen. Erfinde keine Fristen und kennzeichne jede unklare Aussage."

3. Das Teamtreffen bekommt einen roten Faden

Auf dem Zettel stehen „Telefonzeiten", „Materialbestellung" und „Wer macht den Aushang?". Daraus lässt sich eine 20-Minuten-Agenda mit Reihenfolge, Entscheidungsfragen und Aufgabenliste machen. Die KI weiß nicht, wie dein Team arbeitet. Gerade deshalb kann ihr neutraler erster Vorschlag helfen, aus losen Stichworten ein Gespräch mit Ergebnis zu machen. Namen, Leistungsdaten einzelner Mitarbeiter oder Konflikte gehören nicht in die Eingabe.

Zum Ausprobieren: „Erstelle aus diesen drei allgemeinen Themen eine Agenda für 20 Minuten. Gib pro Punkt eine Entscheidungsfrage und am Ende eine leere Aufgabenliste aus."

4. Die KI spielt den neugierigen Kursteilnehmer

Du hast einen Kurs beschrieben und hältst den Text für eindeutig. Frag die KI, welche Fragen ein neuer Teilnehmer nach dem Lesen noch hätte: Brauche ich etwas? Wie läuft die Anmeldung? Gibt es Voraussetzungen? So entsteht eine Liste möglicher Lücken in der Ankündigung. Anschließend kann die KI zehn Überschriften vorschlagen. Vielleicht sind neun davon zu großspurig. Die zehnte bringt dich auf eine bessere eigene Idee. Termine, Preise und Leistungsversprechen ergänzt sie nicht selbst; dafür gelten nur die bestätigten Angaben.

Zum Ausprobieren: „Lies diese freigegebene Kursbeschreibung aus Sicht eines neuen Teilnehmers. Welche fünf praktischen Fragen bleiben offen? Schlage danach drei kurze Überschriften vor. Erfinde keine Antworten und keine gesundheitliche Wirkung."

5. Eine Tabellenformel statt einer Stunde Suchen

Du möchtest Monatswerte vergleichen und weißt, welches Ergebnis die Tabelle zeigen soll, aber nicht mehr, wie die Formel lautet. Beschreibe der KI eine erfundene Beispieltabelle und bitte um die Formel samt Rechenweg. Setze sie zuerst mit Testwerten ein. Wenn Ergebnis und Logik stimmen, überträgst du die Formel selbst in deine echte Arbeitsdatei. So bleibt die Praxisdatei an ihrem Platz, während die KI beim Knobeln hilft.

Zum Ausprobieren: „In einer Beispieltabelle steht der Vormonatswert in B2 und der neue Wert in C2. Welche Formel berechnet die prozentuale Veränderung? Erkläre den Fall B2 = 0 und prüfe die Formel mit erfundenen Zahlen."

Der einfache Start hat eine klare Grenze

Alle fünf Beispiele funktionieren mit öffentlichen, allgemeinen oder erfundenen Angaben. Das ist der unkomplizierte Einstieg. Sobald echte Patientendaten, interne Personaldaten oder vertrauliche Geschäftsinformationen ins Spiel kommen, muss die Praxis den konkreten Dienst und seine Datenverarbeitung prüfen. Nur einen Namen aus einem Falltext zu löschen, reicht für Anonymität oft nicht: Aus dem Zusammenhang kann die Person weiterhin erkennbar sein. Darauf weist die Datenschutzkonferenz in ihrer KI-Orientierungshilfe ausdrücklich hin.

Auch ein guter Textentwurf ist keine Befundung. KI-Anwendungen für Diagnose oder Therapie sind ein anderes Feld mit eigenen fachlichen und gegebenenfalls medizinprodukterechtlichen Anforderungen; der klinische Einsatz ist nach Darstellung der EU-Kommission weiterhin begrenzt. Für die fünf Ideen oben brauchst du das nicht abzuwarten: Nimm einen kleinen, nicht personenbezogenen Auftrag, probiere zwei Fassungen aus und entscheide, ob das Ergebnis deinen Arbeitsalltag wirklich verbessert.

Quellen und Prüfstand: Datenschutzkonferenz, Orientierungshilfe „Künstliche Intelligenz und Datenschutz"; Europäische Kommission zu KI im Gesundheitswesen; DSGVO. Geprüft am 28. September 2026. Die Beispiele beschreiben allgemeine Nutzungsmöglichkeiten, keine Funktionen oder nachgewiesenen Effekte eines bestimmten Produkts.

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