Stand: 29. September 2026 · Praxisalltag & Perspektiven

Auf der Teamsitzung liegt ein Stapel Fortbildungshefte. Jemand möchte einen Rückenkurs anbieten, jemand anderes lieber Einzeltermine für Selbstzahler. Beides klingt nach einer Chance. Aber bevor aus einer Idee ein Plakat wird, lohnt sich die unspektakulärere Frage: Für wen ist das Angebot gedacht – und wer trägt die Organisation?

Die kurze Antwort: Neue private Leistungen und Präventionskurse können zum Profil einer Therapiepraxis passen. Sie sollten aus Nachfrage, Qualifikation, Kapazität und einem klaren Preis entstehen. Ein Kurs nach § 20 SGB V braucht für eine mögliche Kassenbezuschussung eine passende Zertifizierung; die konkrete Erstattung hängt von der Krankenkasse ab. Software ersetzt weder die fachliche Prüfung noch eine tragfähige Kalkulation.

Eine Idee ist noch kein Angebot

Vielleicht fragen Patienten nach einem Training nach Ende der verordneten Behandlung. Vielleicht gibt es im Team eine besondere Qualifikation. Daraus kann eine private Leistung werden – aber nicht automatisch ein wirtschaftlich gutes Angebot. Wer übernimmt Anfragen? Welche Räume und Zeiten sind wirklich frei? Was kostet die Vorbereitung? Und wie erklärst du Preis, Umfang und Grenzen verständlich?

Ein kleiner Test ist oft klüger als ein großer Start: Beschreibe ein Angebot, seinen Ablauf und den Preis. Prüfe mit dem Team, ob es zum vorhandenen Kalender und zur Qualifikation passt. Sammle Rückfragen, bevor du weitere Varianten entwickelst. Für die wirtschaftliche Sicht hilft der Praxiswachstumsartikel zu Kennzahlen.

Privatleistung oder Präventionskurs? Das ist ein Unterschied

Ein individuell bezahltes Angebot ist nicht schon deshalb ein von Krankenkassen bezuschusster Präventionskurs. Für Kurse der individuellen verhaltensbezogenen Prävention nach § 20 SGB V prüft die Zentrale Prüfstelle Prävention unter anderem Konzept, Kurs und Qualifikation. Erst wenn die Voraussetzungen erfüllt und das konkrete Angebot zertifiziert sind, kommt eine Bezuschussung für Versicherte in Betracht. Die Prüfstelle sagt ausdrücklich, dass Krankenkassen keinen einheitlichen Erstattungsanteil haben. Versprich deshalb weder eine feste Quote noch eine automatische volle Erstattung.

Die Zertifizierung ist eine eigene fachliche und organisatorische Aufgabe. Auch Teilnahme und Nachweise können für die Bezuschussung wichtig sein. Prüfe den aktuellen Leitfaden Prävention des GKV-Spitzenverbands und die Vorgaben der betreffenden Kasse, bevor du einen Kurs mit Kostenzuschuss bewirbst.

Der Alltagstest: Passt das Angebot in die Praxis?

  1. Nachfrage: Welche konkrete Frage oder Situation greift das Angebot auf? Eine Vermutung ist noch keine Buchung.
  2. Fachlichkeit: Wer darf und möchte es durchführen? Welche Fortbildung ist nötig, welche Aussage zur Wirkung wäre unbelegt?
  3. Kapazität: Wo finden Termine statt, ohne verordnete Behandlungen oder Pausen ungeplant zu verdrängen?
  4. Kalkulation: Decken Preis und erwartbare Teilnehmerzahl auch Vorbereitung, Raum und Verwaltung? Prüfe mehrere Szenarien statt nur einen vollen Kurs.
  5. Verständlichkeit: Können Patienten sehen, was enthalten ist, was es kostet und ob eine Kasse eventuell etwas bezuschusst?

Dieser Check ist eine redaktionelle Planungshilfe. Ob ein konkretes Angebot rechtlich und fachlich zulässig ist, muss die Praxis für ihren Bereich prüfen.

Digitale Wege helfen, wenn die Regeln vorher klar sind

Wenn ein Angebot feststeht, kannst du geeignete Zeiten online erreichbar machen. PRAXX.ME zeigt von der Praxis freigegebene Angebote und Zeiten; daraus entsteht eine Anfrage, die in SMART.VO geprüft und bearbeitet wird. Eine Online-Zahlung von Privatleistungen ist derzeit keine bestätigte PRAXX.ME-Funktion. Kurszertifizierung, Preisgestaltung und fachliche Eignung erledigt die Software ebenfalls nicht.

Wer gerade eine neue Fachkraft in den Betrieb integriert, hat zunächst eine andere Frage: Wie werden passende freie Zeiten sichtbar? Dazu erzählt unser Magazinbeitrag über den leeren Kalender eine eigene Praxissituation. Den größeren Rahmen für Team, Prozesse und Wachstum bietet der Praxiswachstums-Hub.

Lieber ein gutes Angebot als fünf lose Ideen

Am Ende der Teamsitzung muss keine lange Leistungsliste stehen. Ein sauber beschriebenes Angebot, eine verantwortliche Person, ein realistischer Testzeitraum und eine klare Antwort auf Patientenfragen sind ein besserer Anfang. Wenn es funktioniert, lässt es sich ausbauen. Wenn nicht, weißt du wenigstens, was du gelernt hast.

Quellen und Prüfstand: Zentrale Prüfstelle Prävention, Zertifizierung und FAQ zur Bezuschussung; GKV-Spitzenverband, Leitfaden Prävention; HENARA, bestätigter Terminanfrageprozess. Geprüft am 29. September 2026. Die Teamsitzung und der Alltagstest sind redaktionelle Beispiele.

Related Posts