
- Wie berechne ich das notwendige Startkapital?
- Welche einmaligen Kosten entstehen bei einer Praxisgründung?
- Was kostet die Ausstattung einer Physiotherapiepraxis?
- Welche Kosten entstehen schon vor dem ersten Umsatz?
- Was ist der Unterschied zwischen Investition und Liquidität?
- Wie viel Liquiditätsreserve sollte ich einplanen?
- Vergiss deinen privaten Lebensunterhalt nicht
- Welche Kosten werden bei Praxisgründungen häufig unterschätzt?
- Drei Praxismodelle – wo entsteht jeweils der größte Kapitalbedarf?
- Muss ich Eigenkapital mitbringen?
- Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?
- Kann ich bei der Ausstattung sparen?
- So kalkulierst du deinen Kapitalbedarf
- Was sollte am Ende deiner Kostenplanung stehen?
- Häufige Fragen zu Kosten und Startkapital
- Weiterführende Inhalte zur Praxisgründung
Wie viel Geld du für die Gründung einer Therapiepraxis brauchst, lässt sich nicht seriös mit einer einzigen Summe beantworten.
Eine kleine Praxis mit wenigen Räumen, überschaubarem Umbau und vorhandener Ausstattung kann mit einem vergleichsweise niedrigen Kapitalbedarf starten. Eine größere Physiotherapiepraxis mit Mitarbeitern, umfangreichem Umbau oder gerätegestützter Krankengymnastik benötigt schnell deutlich mehr. Deshalb ist für Gründer nicht die Frage entscheidend, was eine Physiotherapiepraxis durchschnittlich kostet, sondern: „Welche Ausgaben entstehen in meinem konkreten Praxismodell, bis die Praxis ausreichend eigene Einnahmen erwirtschaftet?“
Der Kapitalbedarf setzt sich dabei nicht nur aus Einrichtung und Geräten zusammen. Auch die Kosten der Gründung, die betriebliche Anlaufphase und dein eigener Lebensunterhalt müssen berücksichtigt werden.
Wie berechne ich das notwendige Startkapital?
Eine sinnvolle Grundformel lautet:
Kapitalbedarf = Investitionen + Gründungskosten + Kosten der Anlaufphase + Liquiditätsreserve + privater Finanzbedarf
Das Bundesministerium für Wirtschaft nennt für eine vollständige Kapitalbedarfsplanung ebenfalls mehrere Bereiche: formale Gründungskosten, Investitionen, Kosten der betrieblichen Anlaufphase, Unternehmerlohn beziehungsweise Lebenshaltung sowie eine Reserve für Unvorhergesehenes.
Gerade die Anlaufphase wird häufig unterschätzt. Das Existenzgründungsportal empfiehlt, dafür grundsätzlich einen Zeitraum von etwa vier bis sechs Monaten zu kalkulieren und dabei zu berücksichtigen, dass in dieser Zeit noch keine oder nur geringe Umsätze entstehen können. Das bedeutet nicht, dass jede Therapiepraxis sechs Monate ohne nennenswerte Einnahmen bleibt. Es bedeutet: Deine Finanzierung sollte nicht davon abhängen, dass vom ersten Monat an alles exakt nach Plan läuft.
Welche einmaligen Kosten entstehen bei einer Praxisgründung?
Die größten Unterschiede entstehen meist bei Räumen, Umbau und Ausstattung.
| Kostenbereich | Typische Ausgaben |
|---|---|
| Praxisräume | Kaution, gegebenenfalls Makler, erste Mieten |
| Umbau | Raumaufteilung, Böden, Wände, Sanitär, Elektro, Beleuchtung |
| Therapieausstattung | Behandlungsliegen, Geräte, therapeutisches Material |
| Einrichtung | Empfang, Wartebereich, Büro, Schränke, Mitarbeiterbereich |
| IT | Computer, Monitore, Netzwerk, Telefon, Drucker |
| Praxissoftware | Einrichtung, Lizenzen, gegebenenfalls zusätzliche Module |
| Gründung | Beratung, Verträge, gegebenenfalls Notar oder Register |
| Außenauftritt | Website, Beschilderung, Geschäftsausstattung |
| Erstausstattung | Verbrauchsmaterialien, Hygiene, Bürobedarf |
Nicht jeder dieser Posten fällt bei jeder Gründung an. Ein freiberuflicher Einzelunternehmer braucht beispielsweise nicht zwangsläufig dieselben gesellschaftsrechtlichen Gründungskosten wie eine GmbH. Auch vorhandene Geräte oder Möbel können den Investitionsbedarf deutlich reduzieren.
Was kostet die Ausstattung einer Physiotherapiepraxis?
Auch hier gibt es keinen belastbaren bundesweiten Durchschnittspreis. Die notwendige Ausstattung hängt davon ab,
Die Zulassungsvoraussetzungen definieren zudem für einzelne Heilmittelbereiche eine bestimmte Mindestausstattung. In der Physiotherapie gehören beispielsweise höhenverstellbare Behandlungsliegen und weitere therapeutische Ausstattungsgegenstände dazu.
Was die Räume und die vorgeschriebene Ausstattung konkret erfüllen müssen, behandeln wir separat bei den räumlichen Voraussetzungen für Therapiepraxen.
Ein interessantes offizielles Beispiel
Die KfW zeigt aktuell auf ihrer Seite zum ERP-Gründerkredit StartGeld ausdrücklich die Finanzierung einer Physiotherapiepraxis.
In diesem Beispiel benötigt ein Physiotherapeut:
5.000 € für bauliche Maßnahmen
17.000 € für Geräte und Einrichtung
3.000 € für Markterschließung
Gesamtinvestition: 25.000 €
Die KfW finanziert in diesem Beispiel den vollständigen Betrag über den ERP-Gründerkredit StartGeld.
Diese 25.000 € sind jedoch kein Richtwert für eine typische Physiotherapiepraxis. Das Beispiel zeigt lediglich, dass eine vergleichsweise schlanke Gründung möglich sein kann. Bei umfangreichem Umbau, größeren Praxisflächen, KGG, mehreren Mitarbeitern oder hochwertiger Ausstattung kann der Kapitalbedarf deutlich höher liegen.
Welche Kosten entstehen schon vor dem ersten Umsatz?
Dieser Punkt wird bei Gründungen besonders leicht übersehen. Mit dem Mietvertrag beginnen häufig bereits laufende Verpflichtungen – unabhängig davon, ob die Praxis schon geöffnet hat. Dazu können gehören:
Genau solche Kosten bezeichnet die KfW als Betriebsmittel. Beim ERP-Gründerkredit StartGeld können beispielsweise Personalkosten, Mieten, Marketing, Beratung und Leasingraten mitfinanziert werden.
Das ist wichtig, weil eine Praxis bereits Geld verbrauchen kann, bevor der erste Patient behandelt wurde.
Was ist der Unterschied zwischen Investition und Liquidität?
Ein typischer Fehler besteht darin, nur die Anschaffungskosten zu finanzieren.
Beispiel:
Du hast genug Geld für Umbau, Möbel, Computer und Praxisausstattung. Damit ist deine Praxis eingerichtet.
Aber kannst du auch noch drei Monatsmieten zahlen? Gehälter überweisen? Versicherungen bezahlen? Deine privaten Lebenshaltungskosten decken? Unerwartete Mehrkosten beim Umbau auffangen?
Genau hier liegt der Unterschied.
Investitionen machen die Praxis betriebsbereit.
Liquidität sorgt dafür, dass du deine Rechnungen bezahlen kannst, bis ausreichend Geld aus dem laufenden Praxisbetrieb eingeht.
Das Existenzgründungsportal weist ausdrücklich darauf hin, dass viele Gründer ihren Kapitalbedarf zu knapp kalkulieren und deshalb einen Finanzierungspuffer berücksichtigen sollten.
Wie viel Liquiditätsreserve sollte ich einplanen?
Eine pauschale Summe wäre unseriös. Sinnvoller ist diese Rechnung:
monatliche betriebliche Ausgaben × geplante Anlaufzeit + zusätzliche Reserve
Hinzu kommt dein privater Finanzbedarf.
Das Existenzgründungsportal empfiehlt für die Kapitalbedarfsplanung, die betriebliche Anlaufphase mit etwa vier bis sechs Monaten zu berücksichtigen. Auch der eigene Lebensunterhalt gehört ausdrücklich in die Planung.
Beispiel
Wenn deine Praxis monatlich 8.000 € feste Auszahlungen hat, ist ein Liquiditätspuffer von 10.000 € etwas völlig anderes als bei einer kleinen Einzelpraxis mit monatlich 2.500 € festen Ausgaben.
Deshalb sollte die Reserve immer aus deinem tatsächlichen Kostenmodell entstehen, nicht aus einer pauschalen Empfehlung wie: „Lege 20.000 Euro zurück.“
Vergiss deinen privaten Lebensunterhalt nicht
Das ist ein wichtiger Gründerpunkt. Miete, Lebensmittel, Versicherungen und private Verpflichtungen verschwinden nicht, nur weil du eine Praxis eröffnest. Bei Einzelunternehmen und Personengesellschaften spricht man dabei häufig vom Unternehmerlohn. Er ist keine klassische Personalkostenposition wie das Geschäftsführergehalt einer Kapitalgesellschaft, gehört aber trotzdem zwingend in deine Finanzplanung.
Das Existenzgründungsportal berücksichtigt den Unternehmerlohn deshalb ausdrücklich im Kapitalbedarfsplan. Ein Businessplan, bei dem die Praxis ihre Rechnungen bezahlen kann, du selbst aber sechs Monate lang von nichts leben kannst, ist kein tragfähiger Plan.
Welche Kosten werden bei Praxisgründungen häufig unterschätzt?
Drei Praxismodelle – wo entsteht jeweils der größte Kapitalbedarf?
Statt unseriöser Pauschalpreise hilft es, verschiedene Gründungsmodelle zu betrachten.
Muss ich Eigenkapital mitbringen?
Nicht zwingend für jedes Finanzierungsmodell.
Der aktuelle ERP-Gründerkredit StartGeld der KfW kann eine Gründung mit bis zu 200.000 € finanzieren. Davon können bis zu 80.000 € auf Betriebsmittel entfallen. Laut KfW ist für dieses Programm kein Eigenkapital zwingend erforderlich; die KfW übernimmt 80 Prozent des Kreditrisikos der finanzierenden Bank. Das bedeutet allerdings nicht, dass jeder Gründer ohne Eigenkapital automatisch 200.000 Euro erhält.
Die Finanzierung läuft über einen Finanzierungspartner beziehungsweise die Hausbank. Geschäftsmodell, Bonität, Kapitalbedarf und wirtschaftliche Tragfähigkeit werden weiterhin geprüft.
Eigenkapital hat außerdem einen praktischen Vorteil: Es reduziert den Fremdfinanzierungsbedarf und bildet einen eigenen Sicherheitspuffer.
Welche Finanzierungsmöglichkeiten gibt es?
Typischerweise kann sich eine Praxisgründung aus mehreren Bausteinen zusammensetzen:
Förderdarlehen müssen häufig vor Beginn des Vorhabens beziehungsweise vor der geplanten Investition beantragt werden. Die KfW weist beim StartGeld ausdrücklich darauf hin, dass der Antrag beim Finanzierungspartner gestellt werden muss, bevor mit dem Vorhaben begonnen wird. Deshalb gehört das Finanzierungsgespräch an den Anfang der Gründung – nicht erst dann, wenn Mietvertrag und Ausstattung bereits bestellt sind.
Kann ich bei der Ausstattung sparen?
Ja. Aber sinnvoll sparen ist etwas anderes als billig kaufen. Möglichkeiten sind beispielsweise:
Das Existenzgründungsportal weist ebenfalls darauf hin, dass gebrauchte Einrichtungen und Geräte Investitionen deutlich reduzieren können. Gleichzeitig sollte immer geprüft werden, ob Kauf oder Leasing langfristig tatsächlich wirtschaftlicher ist.
Gerade bei einer Praxisgründung gilt: Nicht alles, was du irgendwann einmal gebrauchen könntest, musst du am Eröffnungstag besitzen.
Die erste Ausstattung sollte die geplanten Leistungen zuverlässig ermöglichen. Erweiterungen können später aus dem laufenden Praxisbetrieb finanziert werden.
So kalkulierst du deinen Kapitalbedarf
Plane deine einmaligen Ausgaben, laufenden Zahlungen und tatsächlichen Zahlungseingänge für die ersten sechs Monate. Der Rechner verwendet deine eigenen Werte und zeigt den höchsten Finanzierungsbedarf in der Anlaufphase.
Die Trennung von Investitionen, Anlaufkosten und Liquiditätsplanung folgt den allgemeinen Planungsbausteinen des Existenzgründungsportals des Bundes und der KfW. Das Ergebnis ist eine Orientierung anhand deiner Eingaben, keine Finanzierungszusage oder ein vollständiger Businessplan.
HENARA · Praxisgründung
Kapitalbedarf deiner Therapiepraxis
Plan vom · Sechs Monate nach der Eröffnung
Deine Annahmen
| Position | Betrag |
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Rechenweg: Startausgaben plus größtes kumuliertes Liquiditätsloch der sechs Anlaufmonate plus selbst gewählte Reserve. Zahlungseingänge zählen erst bei erwartetem Geldeingang. Diese Planung ersetzt keinen vollständigen Businessplan und keine Finanzierungsberatung.
Erst jetzt weißt du, über welchen Kreditbetrag oder welche sonstige Finanzierung du tatsächlich sprechen musst.
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Häufige Fragen zu Kosten und Startkapital
Weiterführende Inhalte zur Praxisgründung
Quellen & Rechtsgrundlagen
Die Angaben dieses Artikels basieren insbesondere auf:
KfW – ERP-Gründerkredit StartGeld
KfW – ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge
Bundesministerium für Wirtschaft / Existenzgründungsportal – Kapitalbedarfsplanung
Bundesministerium für Wirtschaft / Existenzgründungsportal – Finanz- und Liquiditätsplanung
fachbereichsspezifischen Zulassungsvoraussetzungen nach § 125 SGB V
Stand der Prüfung: September 2026

